Mitteilung 13 5.2.2005
Gleichberechtigung in Burundi J
(Ein nicht ganz ernst zu
nehmender Denkanstoss)
Bei meinen
Baustellenbesuchen fällt mir immer wieder auf, dass die Burundesen/innen
bezüglich Gleichberechtigung wesentlich weiter als die zivilisierten
Mitteleuropäer sind. Zumindest stimmt die Quotenregel, indem sogar auf dem
Bau fast so viele, wenn nicht sogar mehr Frauen wie Männer anzutreffen
sind. Es scheint, dass die Frauen sich hier wesentlich intensiver für ihre
Rechte eingesetzt haben und deshalb nun aktiv mit dabei sind. Was ich noch
nicht abgeklärt habe, ist die Frage der Lohngleichheit und der Verteilung
in der Hierarchie
:).

Lehrerunterkünfte in Gikwyie
Und wenn die lokale
Kinderkrippe, die KITA, das Bärehuus, oder wie auch immer, überfüllt sind,
nimmt frau den Nachwuchs einfach mit auf den Bau. So einfach löst man hier
die schwierigsten Probleme. Sollte klein Sohnemann/Töchterchen mal Hunger
kriegen, wird dies gleich vor Ort erledigt :).

Schule
in Muhwazi

Weil
die Frauen Zement mischen, Steine oder Wassereimer von mehr als 25 kg
beinahe majestätisch auf dem Kopf durch die Gegend balancieren oder Graben
ausheben, würde ich mich hüten, vom schwachen Geschlecht zu sprechen.
Somit gibt es auf dem europäischen Bau noch einen weiten Bereich, dem sich
all die kultivierten Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau
annehmen könnten. Die vereinigten Medien werden sicher vollständig
anwesend sein, wenn Alice Schwarzer, in einem Designer-overall, charmant
lächelnd mit dem ersten (und wahrscheinlich letzten) Sack Zement auf dem
Kopf in die zweite Etage hoch schwebt.
Den
Ungläubigen kann ich versichern, dass die oben gezeigten Bilder keine
gestellten Aufnahmen oder gesuchten Situationen sind, und dass die Männer
ihre Frauen wirklich aktiv mitarbeiten lassen (all dies erst noch in einem
eher "Macho"-orientierten Land). Selbstverständlich sind die Frauen auch
bei den Feldarbeiten gut vertreten und schuften von morgens früh bis
abends spät neben ihren Gatten.
Ganz
so im Busch, wie man/frau in Europa vermutet, scheinen sie in Burundi nun
wirklich nicht zu sein und haben die Gleichberechtigung konsequent
umgesetzt; oder doch nicht? Ich habe in den vergangenen sieben Monaten nie
einen Mann an einem Fluss Kleider waschen sehen. Wahrscheinlich ist es
ihnen einfach noch etwas peinlich und sie machen es deshalb nachts.
Damit sich nun der
Ansturm an emanzipierten, auf ihren Rechten und Pflichten beharrenden,
nach Selbstverwirklichung dürstenden Damen in Grenzen hält, muss ich
darauf hinweisen, dass die nächste, grosse Bauphase in Burundi erst im
Sommer 2005 einsetzen wird und dann entsprechend Leute gesucht sein
werden. Da hier aber die Beschaffung von Arbeitsvisen etwas lange dauern
kann, sollten sich Interessierte bereits jetzt darum kümmern
;). |